LCA-Bilanzierung

LCA-Bilanzierung

Lebenszyklus Analyse – LCA (Life Cycle Assessment)

Was ist LCA?

Unter dem Begriff Lebenszyklus-Analyse versteht man einen Paradigmenwechsel in der Gebäudeerrichtung und -sanierung. Während bei der Analyse des Energieverbrauchs nur der laufende Betrieb betrachtet wird, werden für die Berechnung der Nachhaltigkeitsklasse (NH) auch die sogenannten grauen Energien berücksichtigt. Darunter versteht man alle Energien, die für die Erstellung der Bauteile, ihren Ersatz wegen Verschleiß und ihre Entsorgung benötigt werden.

Warum ist die LCA Bilanzierung auch ohne QNG Siegel sinnvoll?

Bei der Beschreibung von Förderungen und Krediten findet sich oft die Bezeichnungen Treibhausgasemissionen nach Vorgaben des QNG Siegels oder klimafreundliches Gebäude. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die LCA Bilanzierung. Es ist also nicht nötig ein QNG Siegel zu beantragen, um die entsprechende Förderung oder den entsprechenden Kredit zu bekommen. Natürlich gibt es Unterschiede bei der Förderung, aber diese beziehen sich oft nur auf die maximale Höhe des Kredits. An dieser Stelle muss sehr genau abgewogen werden, ob sich der finanzielle Mehraufwand für das QNG Siegel wirklich lohnt.

Was wird bei der LCA Bilanzierung berechnet?

Für die Lebenszyklus-Bewertung eines Gebäudes kommen zwei neue Einheiten ins Spiel. Dabei handelt es sich um den Beitrag zum Treibhauseffekt, Global Warming Potential (GWP) und den Anteil nicht-erneuerbarer Primärenergie, Primary Energy Non Renewable Total (PENRT). Gemessen werden diese Werte in:

GWP 100kg CO2 Äquivalent / m² und Jahr
PENRTkWh / m² und Jahr

Etwas irreführend ist die Bezeichnung GWP100. Dieser Wert bezieht sich auf 100 Jahre. Für die LCA Bilanz werden bei einem Gebäude aber tatsächlich nur 50 Jahre betrachtet.

Wie hoch dürfen GWP und PENRT werden?

Der zulässige Wert hängt von der Nutzung des Gebäudes ab. Bei Wohngebäuden gelten feste Werte pro Nettoraumfläche und Jahr. Die Grenzwerte bei Nichtwohngebäuden werden erst an Hand der Art der Nutzung und der jeweils dafür benötigten Fläche durch ihren Energie-Effizienz-Experten berechnet.

Was ist der Unterschied zu den Treibhausgasemissionen im Energieausweis?

Auch im Energieausweis eines Gebäudes werden Treibhausgasemissionen in kg CO2 Äquivalent / m² und Jahr angegeben. Diese beziehen sich aber nur auf den Energieverlust durch die wärmende Hülle im Betrieb des Gebäudes, sowie den zugeführten Strom für die Erzeugung der Wärmeenergie. Die errechneten Treibhausgasemissionen der LCA Bilanzierung beziehen sich dagegen auf die komplette Erstellung, Verschleiß und Entsorgung des Gebäudes. Dazu gehören auch Innenwände, Gebäudeteile die außerhalb der wärmenden Hülle liegen und sogar Bodenbeläge in den Innenräumen.

Wie ist der Verschleiß eines Gebäudes definiert?

Jeder Baustoff, ob im Innen- oder Außenbereich eines Gebäudes unterliegt einer Abnutzung. Diese Lebensdauer wird für jedes Material in gesetzlich vorgegebenen Tabellen angegeben. Beträgt die Lebensdauer eines Materials zum Beispiel 25 Jahre, so muss der entsprechende GWP Wert im veranschlagten Betrachtungszeitraum von 50 Jahren zweimal eingerechnet werden. Vor allem an dieser Stelle kommt der Aspekt der Nachhaltigkeit zum Tragen.

Ein Beispiel für Verschleiß

Wird zum Beispiel ein Teppichboden als Auslegeware mit einem Massivholzparkett verglichen, so ist der GWP-Wert eines Teppichbodens bei einmaliger Verlegung ungefähr doppelt so groß wie beim Parkett. Die Lebensdauer des Teppichs ist aber 5 mal kleiner. Es werden demnach für 50 Jahre Gebäudebetrieb 5 Teppichböden benötigt. Daraus ergibt sich für den Teppichboden in der LCA Bilanzierung ein annähernd zehnmal größerer GWP Wert.

Zieht man nun in Betracht, dass die Verlegung von 5 m² Teppich auch nicht billiger ist, als 1 m² Parkett zu verlegen, dann zeigt sich der klare Vorteil des Parketts bei der bilanzierung der Nachhaltigkeit.