
Energieberatung
Was gehört zu einer Energieberatung?
Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um eine Beratung und nicht um eine Anlaufstelle, die nur zur Beantragung von Förderungen und der Erstellung von Energieausweisen dient. Auch wenn die offizielle Bezeichnung mittlerweile Energie-Effizienz-Experte lautet, haben sie es mit jemandem zu tun, dessen Aufgabe es ist ihnen in allen Fragen, die ihr Gebäude betreffen, fachkundig zur Seite zu stehen.
Die Energieberatung gliedert sich in drei Schritte:
1. Die Betrachtung des Gebäudes in seiner Gesamtheit
Möglicherweise haben sie schon einmal einen Anruf erhalten, bei dem ihnen neue Fenster in einer phantastischen Qualität mit Dreischichtverglasung angeboten worden sind. Wären diese für ihr Haus geeignet gewesen? Oder sie sind in eine Diskussion geraten, bei der sich zwei Hausbesitzer darüber gestritten haben, ob die Schichtdicke der Dämmung 20cm sein muss oder ob nicht auch 16cm genügen. Wer hatte Recht?

Diese Frage kann ihnen niemand allgemeingültig beantworten. Das hängt tatsächlich von ihrem Gebäude ab. Was tut ein Energie-Effizienz-Experte in diesem Fall? Er lässt sich von ihnen die Pläne geben oder nimmt selbst Maß und bildet ihr gesamtes Gebäude in einem virtuellen Modell nach. Anschließend wird der Wärmedurchgang der Bauteile der wärmedämmenden Hülle berechnet und in das Modell eingefügt. Bei Nichtwohngebäuden kommt zusätzlich die Definition der unterschiedlichen Bereiche, der sogenannten Zonen dazu.
Das Ergebnis ist eine Abbildung ihres Gebäudes in seiner Gesamtheit. Mit diesem Modell ist es überhaupt erst möglich, die Wirkung neuer Fenster zu ermitteln oder die benötigte Schichtdicke der Dämmung zu berechnen.
Nachdem die Betrachtung der Gebäudehülle abgeschlossen ist, erfolgt die Aufnahme der Anlagentechnik. Dazu gehört alles, was sie benötigen, um den Wärmeverlust durch die Hülle des Gebäudes wieder auszugleichen, kurz gesagt die Heizung. Hier spielt es eine Rolle, womit sie heizen, wie effektiv ihre Heizung arbeitet und wie viel Strom sie zur Steuerung benötigt. Positiv wirkt es sich dabei aus, wenn sie Sonnenkollektoren auf dem Dach haben, oder vielleicht schon eine Solaranlage. Bei Nichtwohngebäuden wird zusätzlich der Lichteinfall von außen bilanziert und berechnet wie viel elektrische Energie für die Beleuchtung notwendig ist um die gesetzlich vorgeschriebene Helligkeit am Arbeitsplatz zu gewährleisten.
Aus diesem Gesamtmodell, nennen wir es die Patientenakte ihres Gebäudes, ermittelt ihr Energie-Effizienz-Experte nun den Primärenergieverbrauch ihres Hauses. Das ist die Energie, die ihrem Gebäude letztenendes zugeführt werden muss, um die Wärmeverluste durch die Hülle auszugleichen. Gleichzeitig ist das auch der Wert, der im Energieausweis ihres Hauses steht.
2. Reduzierung und Optimierung des Energieverbrauchs
Geht es darum den Energieverbrauch ihres Gebäudes zu reduzieren, nützt ihnen der Primärenergiewert allerdings wenig. Dafür wird die ganze Patientenakte benötigt und nicht nur das Ergebnis. Schließlich müssen die einzelnen Bauteile auf ihre Wirkung innerhalb der Gebäudehülle überprüft werden. Es macht also keinen Sinn sich im Internet einen billigen Energieausweis ausstellen zu lassen, um Geld zu sparen, und damit zum Energie-Effizienz-Experten ihre Wahl zu gehen. Er muss in diesem Fall die ganze Arbeit noch einmal machen und sie zahlen doppelt.

Mit dem Modell ihres Gebäudes ist es möglich, verschiedene Szenarien zu simulieren. Dazu gehört zum Beispiel der eingangs erwähnte Austausch der Fenster. Es wird geprüft, wie es sich auswirkt, wenn die neuen Fenster einen extrem geringen Wärmedurchgang haben. Oder ob es nicht doch günstiger ist die Fenster nicht in der höchsten Qualitätsstufe zu kaufen und stattdessen die Dämmung der Außenwand um 2cm zu verstärken? Und wie weit muss gleichzeitig das Dach gedämmt werden, damit die an den Fenstern und der Wand eingesparte Energie nicht wieder über das Dach entweicht?
Ihr Energie-Effizienz-Experte wiegt alle diese Werte gegeneinander ab und ermittelt ein günstiges Verhältnis der Bauteile zueinander, bei dem sie eine möglichst hohe Energieeinsparung erzielen bei gleichzeitig geringsten Kosten. Technisch bedeutet das, keines der Bauteile sollte im Verhältnis zu dem Rest der Gebäudehülle für seine Bauteilgruppe zu stark, aber auch nicht zu schwach gedämmt sein.
Wenn die Wärmeverluste der zukünftigen sanierten Gebäudehülle feststehen, wird passend dazu eine sinnvolle Anlagentechnik ermittelt, die ihnen möglichst geringe Heizkosten garantiert. Dazu muss die Heizung aber nicht zwingend ausgetauscht oder erneuert werden. Was genau geschehen soll, entscheiden sie im Beratungsgespräch mit ihrem Energie-Effizienz-Experten.
Zum Schluss bringt ihr Energie-Effizienz-Experten alle Maßnahmen in eine bautechnisch geeignete Reihenfolge und erstellt ihnen den sogenannten Sanierungsfahrplan. Bei Wohngebäuden wird dieser auch als individueller Sanierungsfahrplan iSFP bezeichnet, bei Gewerbeimmobilien spricht man nur von einem Sanierungsfahrplan. Dieses rechtlich wirksame Dokument erlaubt es ihnen nun für die einzelnen Maßnahmen der Sanierung oder einer Komplettsanierung zum Effizienz-Haus, die entsprechenden Förderungen und Kredite zu beantragen.
3. Planung und Umsetzung unter wirtschaftlichen Bedingungen

Natürlich sollte man nicht ins Blaue hinein anfangen zu sanieren. Förderungen und ermäßigte Kredite gibt es in verschiedenen Höhen, je nachdem welche Energie-Effizienz-Stufe ihr Gebäude nach der Sanierung erreicht. Wenn sie die Kosten optimieren wollen, sollten sie darauf achten, dass der berechnete Wert der Primärenergie nicht genau zwischen zwei Stufen liegt, sondern noch die nächstniedrigere erreicht. So erhalten sie für einen geringen Einsatz eine höhere Förderung.
Allerdings geht es bei der Wirtschaftlichkeit nicht nur um die aktuellen Baukosten. Mindestens genauso wichtig ist eine Bilanzierung der Nachhaltigkeit. Dazu gehört die mögliche Preisentwicklung auf dem Brennstoffmarkt, die Verschleißanfälligkeit der verbauten Materialien, sowie die Möglichkeiten zukünftiger Ausbauten oder Sanierungen.
Bei allen diesen Themen steht ihnen ihr Energie-Effizienz-Experte im Laufe einer Energieberatung zur Seite und hilft ihnen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Er ist ihr persönlicher Berater.